Südhang, sanft geneigt, bester Ackerboden, wunderschöne Aussicht. Da gucken Archäologen nach unten und halten Ausschau nach römischen Dachziegeln und Topfscherben. Nach diesen Kriterien hat man in römischer Zeit den Bauplatz für einen Gutshof, eine villa rustica. gewählt.
Römische Bauten auch neben dem heutigen Weg: Ziegel, Mauern, Mörtel. Ziegelplatten, noch schön auf Mörtel verlegt. Auf dem frisch gepflügten Acker gefunden (1898), bei Versuchs-Schaufeleien entdeckt (1898, 1924). In den folgenden Jahrzehnten liest man immer wieder römische Scherben auf, Bronzefragmente. Ein Bruchstück einer Rippenschale aus blaugrünem Glas, aufgelesen vom Kunstmaler Hermann Daur. Alles vom Pflug aus römischen Fundschichten heraus- und nach oben mitgerissen. Datierbar in das 1., 2. und 3. Jh. n. Chr.
Vielleicht die Reste einer villa rustica. Vielleicht aber auch einer römischen Straßenstation - der Fundplatz liegt neben der neuzeitlichen Hauptstrasse Basel - Frankfurt/Main. Die neuzeitliche Straße hatte (ziemlich sicher) mittelalterliche Vorläufer. Dazu passt der Fund einer mittelalterlichen Siegelkapsel auf unserem Acker. Mittelalterliche Hauptstraßen nutzten - wo immer es ging - den alten römischen Straßenkörper, weil stabil gebaut. Auch hier?
Ein besonderer Fund: ein Stück Fensterglas. Römisches Fensterglas. Dessen Herstellung ist speziell. Ein heißer Glasklumpen wird flach gedrückt und wie Teig ´ausgerollt´. Mit Zangen greift man dann die Ecken der Glasplatte und zieht/schubst sie in eine halbwegs quadratische Form. Das Glas bleibt dabei ziemlich dick, das Werkzeug hinterläßt typische Kerben. Fensterglas ist Luxus, ebenso eine Fußbodenheizung. Ob Scheibe und Heizung für Sonnenlicht und Wärme in einem Bad (Therme) oder einem Wohngebäude sorgten - wissen wir nicht. Eine Therme jedenfalls gehörte unverzichtbar zu jeder römischen villa und auch zu jeder Straßenstation.
Straßenstationen erinnern etwas an Raststätte-Mit-Hotel an der Autobahn: Reisende können etwas essen, übernachten, sich entspannen. Heute: tanken. Römisch: Pferde/Ochsen/Maultier wechseln. Heute eher selten: Sauna, aber römisch unverzichtbar: Therme. Römische Straßenstationen dienten aber vor allem der Staatspost und dem Militär. Für das Funktionieren des Staatswesens unverzichtbar, deshalb von Privatpersonen nur nebenbei und eingeschränkt nutzbar. Nahegelegene und archäologisch erforschte Straßenstationen gibt es am Hochrhein bei Augst, und gegenüber von Kleinkems in Kembs (F).