Ein massiver Armreif, gefunden vor 150 Jahren, über 2600 Jahre alt. Diese Reife sind sehr speziell, es gibt sie fast nur am südlichen Oberrhein, im Elsass und in Baden. Stammt der Reif aus einem zerstörten Grabhügel ?
Armreif, sehr speziell
9. Juni 1898. Forstpraktikant Dr. L. Barth übersendet römische Keramik und ein Stück römisches Fensterglas an die Großherzogliche Altertums-Sammlung in Karlsruhe (heute: Badisches Landesmuseum). Der Fundort: ein Acker bei der "Pritsche". "Auch ein bronzener Griff ist daselbst zu Tage gefördert worden", eine Abbildung fügt Barth bei.
Man ahnt es - es ist kein Griff. Es ist ein Armreif, ein sehr spezieller. Gefunden auf dem Acker des Fräulein Däublin, so um 1870 herum, von Vater Däublin aufgehoben, aufbewahrt. Barth macht sich mit Sohn Däublin von Efringen auf zur Ortsbesichtigung.
Der Armreif ist aus Bronze, massiv gegossen. Gülden glänzend, als er neu war. Eine spezielle Form, mindestens 125 solche Reife von knapp 100 Fundorten gibt es, und die meisten Stücke fanden sich rechts oder links des Rheins, zwischen Straßburg und Basel. ‘Armreif des Typs Baden-Elsaß Variante A´ haben die Archäologen sie getauft, hergestellt und getragen hat man/frau sie im 7. und oder 6. Jahrhundert vor Christus. Die Zeitepoche von ca. 800 bis 480/450 v. Chr. wird Hallstattzeit genannt, nach einem Salzbergwerk samt Gräberfeld in Österreich.
Längsrillen. Kugelenden. Mal kleine, mal größere Kullern; auch mal spitz zulaufende Enden. Manchmal zusätzlich verziert, manchmal nicht. Mal klein, mal groß, mal wie neu, mal abgewetzt. Die meisten Stücke - wie hier - vom Acker. Nur wenige Stücke stammen aus Gräbern (blöd für die Archäologen). Und wenn, dann sind die Armreife mit Armreifen kombiniert - solchen aus versteinerter Kohle, Gagat, Lignit, Sapropelit, Ölschiefer und vergleichbaren Materialien (´roche noir´). Nur selten einige wenige Perlen aus Bernstein oder Gagat. Sonst nix. Und schon gar nicht kombiniert mit der großen Vielfalt an Metall-Schmuck-Zierrat, der in dieser Zeit (auch am südlichen Oberrhein) üblich ist. Auch nicht mit den wunderschönen Keramiken dieser Zeit. Alle diese Dinge wären gut datierbar. (Eine Ausnahme gibt es: ein Grab aus Müllheim, entdeckt 2018, noch nicht abschließend ausgewertet. Man darf gespannt sein.)
Nein. Wer sich mit diesen Reifen schmückte, stach von seinen/ihren Zeitgenossen ab. Anderes Outfit, anderer Schnitt der Kleidung. Wer warum die Reife tragen durfte, bleibt für uns heute ein Rätsel; leider, schade. Arm waren ihre TrägerInnen nicht - das Metallgewicht von einem oder gar zwei Variante A-Reifen konnte beträchtlich sein. Spannend ein Grab bei Schlatt: eine Frau war mit 2 dieser Reife ausgestattet, dazwischen einer aus ´roche noir´. Über ihrem Grab schüttete man einen Hügel (den “Hittebuck”) auf. Später (nach 630 v. Chr.) grub man in den Hügel von oben her eine Grabgrube für einen weiteren Verstorbenen. Samt Armreif aus Gold. Halsreife und Armreife aus Gold tragen in der späten Hallstattzeit die VIPs, die ´Fürsten´, Leute wie der ´Keltenfürst von Hochdorf´ oder die Dame und das Kind aus dem ´Keltenblock´ vom Bettelbühl. Einen schon vorhandenen Grabhügel zu ´kapern´ war nicht ungewöhnlich. Familienbande (Vorfahr und Nachkomme) können der Grund dafür sein. Oder aber eine neue Machtelite stellt sich so in die Tradition einer angesehenen Führungsgruppe einer Guten Alten Goldenen Zeit.
´Unsere´ Fundstelle ist auf der topographischen Karte von 1889 leicht zu finden. Exakt beim Höhenpunkt 326,7; dort, wo ein kleiner Geländebuckel ist. Letztes Indiz für einen völlig zerpflügten Grabhügel?