Station: [10] Johann Daniel Hien und der Einklang von Natur, Tier und Mensch

  • Römermuseum Homburg-Schwarzenacker

Liegt der Schwerpunkt Meyers' Kunst deutlich auf der Landschaft, so gilt er bei Johann Daniel Hien dem Tierbild und Herdenporträt. Auf Hiens großen Lehrmeister in Frankreich, Jean-Baptist Oudry, wurde bereits verwiesen, auch auf sein holländisches Vorbild, Paulus Potter. Blicken wir auf das „Ruhende Weidevieh“ aus dem Jahr 1765, so erkennen wir eine weitere Tradition, in der Hien steht und an die er anknüpft: Es sind die Ruinenlandschaften mit Hirten und Viehherden, die der Pfälzer Johann Heinrich Roos im 18. Jahrhundert gemalt hat. Zweierlei aber fällt an Hiens Arbeiten auf: Unterschiedliche Tierdarstellungen werden zu einem Arrangement verdichtet und dieses Arrangement ist ganz auf den Bildbetrachter hin orientiert. Die pfälzische Landschaft, in die der Lagerplatz eingebunden ist, weist Momente einer Idealisierung auf. Das ist das Neue an diesen Weidevieh-Landschaften. Mittels dieser neuen Sicht auf eine idealisierte heimatliche Landschaftsdarstellung mag die ausgesprochen unhöfische Gattung des Weidevieh-Bildes Eingang in eine höfische Galerie gefunden haben.

Von dieser Art ist auch die „Landschaft in Abendstimmung mit Tieren“. Dabei nimmt der Betrachter hier einen wesentlich höheren Standpunkt an, um die fast ins Mediterrane idealisierte pfälzische Landschaft weit zu überschauen. Zu diesem Bildeindruck addiert sich, wie in einer Vorwegnahme des romantischen Klassizismus, die Stimmungsschilderung des Abendrots und der evozierte harmonische Einklang von Natur, Tier und Mensch.