Station: [04] Maria Magdalena

  • Römermuseum Homburg-Schwarzenacker

Sie sehen das Bild an der Eingangswand links. Darstellungen der Maria Magdalena waren in der Renaissance ein beliebtes Motiv und je einschmeichelnder und sinnlicher die Büßerin in der Natur dargestellt wurde, desto mehr Bewunderung fand sie unter den Freigeistern. Es wundert nicht, dass Johann Christian von Männlich gerade diesen Correggio ausgewählt hatte, konnte er doch den sinnlichen Bildgegenstand so richtig durch den heiteren Glanz des Rokoko filtern.

Klassizistisch in der Auffassung ist dann die größere, 6 Jahre später entstandene Variante der „büßenden Maria Magdalena“. Im Lukasevangelium wird sie an erster Stelle unter den Frauen genannt, hat sie doch Jesu die Füße gewaschen, ihn geheilt und auf dem Weg zum Kreuz begleitet. Am Ostermorgen ging sie mit anderen Frauen zum Grab. Maria Magdalena ist der auferstandene Herr zuerst erschienen und hat sie mit der Osterbotschaft zu den Jüngern gesandt.

In der Kunst sind ihre traditionellen Attribute ein Salbgefäß, die Heilige Schrift. Der Hinweis auf das Naturhafte sind ihre langen Haare, mit denen sie ihren Körper bedeckt, ebenso auch das einfache, aus Ästen zusammengebundene Kreuzeszeichen. Aber die Haare in unserer Darstellung verhüllen nicht mehr und auch die Höhle mag auf anderes verweisen, als auf die einstige Grabkammer. Der Betrachter blickt auf eine Aktdarstellung, die selbst im Begriff des Schauens ist, mit entrücktem Blick, verklärt und entzückt. Es ist ein Spiel — mit der Anschauung, mit den Begriffen und Metaphern. Zu diesem Spiel gehört auch das Wissen darum, dass Sehen als Besitzergreifen verstanden werden kann. Als Modell für diese Maria Magdalena wählte Männlich seine Frau Maria Barbara. Es sollte ein ganz privates Bild sein. Merkwürdig nur, dass er davon sogar Wiederholungen fertigte.

Wir schreiben das Jahr 1777. Seit der Rückkehr aus Italien hat sich im Leben Johann Christian von Mannlichs einiges bewegt. Am 1.Januar 1772 wurde er zum „ersten zweibrückischen Hofmaler „ befördert, wurde Inspekteur der herzoglichen Gemäldesammlung und Direktor der herzoglichen Zeichenschule. Nach dem Tod Herzog Christians IV. 1775 sollte Männlich auch als Theaterfachmann unter dessen Nachfolger Karl II. August den Bau des höfischen Gesellschaftstheaters und die Erstellung der Bühnendekorationen übernehmen. 1776 ernannte ihn Herzog Karl August zum Direktor des gesamten herzoglichen Bauwesens. Es war der Baubeginn von Schloss Karlsberg, der größten Landresidenz, die in Europa im 18.Jahrhundert errichtet wurde.