Station: [13] Die Zweibrücker Maler und die Tierdarstellungen

  • Römermuseum Homburg-Schwarzenacker

Nach diesem Meisterstück gehen wir in den vierten und letzten Raum unseres Rundganges.

Die Zweibrücker Maler waren leidenschaftliche Naturfreunde und Jäger. Vor allem waren sie genaue Beobachter der Natur. So vereint dieser Raum eine kleine Reihe unterschiedlicher Tierdarstellungen. Neben der Entdeckung und Übertragung humanisierten Verhaltens des Tieres ist es die Fokussierung auf das Animalische und die enzyklopädische Sicht, die uns begegnet.

Georg Friedrich Meyer hat um 1770 dieses elegante und schlanke Porträt eines „Windhundes“ gefertigt. Interessant in die Raumschräge gestellt, füllt das Tier den ganzen Bildraum aus. Vermutlich war es der ganze Stolz seines einstigen Besitzers. Der Spezialist zeigt uns den Blick auf das Animalische.

Um 1760 hat Johann Daniel Hien den „Fuchs mit Beute“ gemalt. Ein Fuchs hält eine sich verzweifelt wehrende Stockente im Maul. Eine andere konnte sich befreien und fliegt davon. Wieder hat sich der Maler auf die Höhe der Tiere begeben. So sieht der Betrachter dem Fuchs direkt in die gierigen Augen. In dieser sehr niedrigen Betrachterhöhe ist man auch näher dran an dem, was auf dem Boden wächst, das, neben einer Knöterichpflanze links unten mit sehr viel Liebe zur detaillierten Anschauung gemalt ist. Im Gegensatz dazu erscheint der Hintergrund ölskizzenhaft, wo sich verschwommen und in höchster Unschärfe eine menschliche Siedlung ausmachen lässt.

In einem weiteren Bild von Hien ist der Fuchs der Gejagte. Das um 1765 gemalte Tierstück „Fuchs, von Hunden gestellt“ lebt von der dramatischen Zuspitzung. Sehr erzählfreudig wird Bewegung inszeniert. Aktivität und Hauptspannung gehen vor allem vom Abbremsen de Bewegung durch die Vorderpfoten des Fuchses aus. Die blutunterlaufenen Augen unterstreichen geradezu den Überlebenskampf des gestellten Tieres. Dieser Fuchs ist für die drei Jagdhunde keine leichte Beute.

Um 1765 dürfte auch das Jagdstück eines „toten weißen Hasen“ entstanden sein. Mit dem rechten Hinterlauf an einem Baum derart niedrig aufgehängt, dass der Kopf des Tieres auf dem Boden zu liegen kommt, krümmt sich der tote Hase dem Betrachter entgegen und scheint selbst mit gebrochenem Auge Blickkontakt aufzunehmen. Durch diese Geste und Komposition weckt Johann Daniel Hien Trauer und Anklage. Von Bedeutung ist denn auch die Distel links neben dem toten Tier.

Ein weiteres Werk von Hien ist das um 1760 entstandene Tierstück mit „Rebhühnern und Eidechse“. Im Zentrum steht ein mit seinen Flügeln schlagender Hahn vor einer großen Distel mit rotbraunen Blüten. Detailreich und realistisch dargestellt, sind sie ganz nah an den Betrachter herangerückt. Ebenso die Eidechse in ihrer exakten Zeichnung. Außerhalb dieser Fokussierung werden die Randbereiche großzügig und unscharf gestaltet.

Die Naturbeobachtung der Pfalz-Zweibrücker wurde auch von der direkten Begegnung mit den französischen Enzyklopädisten genährt, die Allgemeinbildung der Menschen in Europa heben wollten. Die Reflexion des 18. Jahrhunderts über das Tier wurde geprägt durch seinen Bezug zum Menschen. Wegweisend war hier die Naturgeschichte des Georges- Louis Lederc, Comte de Buffon, mit seinen vergleichenden Beschreibungen. So schreibt Buffon:

 „Die Erhabenheit der Größe, die Eleganz der Form, die Kraft des Körpers, die Freiheit der Bewegungen, alle diese äußerlichen Qualitäten sind nicht diese, welche die edelsten in einem lebendigen Geschöpf sind: und wie wir an einem Menschen den Geist dem Aussehen vorziehen, den Mut der Kraft, die Gefühle der Schönheit, beurteilen wir ebenso die inneren Qualitäten als die erhabensten im Tiere. ...Die Perfektion des Tieres hängt also von der Perfektion der Empfindung ab... und wenn die Empfindung fein, ausgelesen ist, wenn sie noch durch die Ausbildung vervollkommnet wird, wird das Tier würdig in die Gesellschaft des Menschen treten... Der Hund hat par excellence unabhängig von der Schönheit seiner Form, der Lebhaftigkeit, der Kraft, der Leichtigkeit, alle diese inneren Qualitäten, welche die Aufmerksamkeit des Menschen ihm entgegen zu bringen vermögen.“