Station: [12] Johann Daniel Hien und die Vorläufer des Gruppenporträts

  • Römermuseum Homburg-Schwarzenacker

Wir wenden uns den beiden Tierbildern von Johann Daniel Hien zu. Die „Herde an der Tränke“ steht in der Reihe der 1765 entstandenen Weidevieh-Landschaften, von denen wir zwei Beispiele bereits gesehen haben. Wieder wird der pfälzische Landschaftsraum mittels Ruinenversatzstücken idealistisch gehöht. Die Heimat wird idealisiert, nicht die räumliche und zeitliche Ferne. So wählt Hien völlig andere Möglichkeiten und Mittel, als sein Schüler Ledere. Wenn auch ihre Werke von gegensätzlicher Auffassung geprägt sind, so können sie sich dennoch im toleranten Nebeneinander und Gegenüber vertragen.

Das um 1770 entstandene „Viehstück“ weist über die bereits angesprochenen Besonderheiten und Qualitäten hinaus noch ein weiteres Novum auf. Hier hat Johann Daniel Hien eine kleine Tiergruppe, bestehend aus Rindern, Ziegen, Schafen und einem Widder wahrhaft porträtiert, zumindest lässt er das Bild genauso erscheinen: Die sind nicht im Landschaftsraum verteilt, sondern zum Porträt „angetreten“. Der Maler begegnet den Tieren auf gleicher Augenhöhe. Alles ist arrangiert, links im Mittelgrund die Burgruine, links vorne eine Heckenrose als Accessoire zur Seite gestellt, rechts der abgewandte Hirte, der als Betreuer nicht unbedingt aufs Bild muss. „Bitte recht freundlich“ - einer Kuh dauert das Stillhalten zu Lange; sie wendet sich ab und dreht von dannen. Einer tanzt immer aus der Reihe. Die anderen Tiere sind zum Gruppenporträt zusammengerückt. Es ist das erzählte Ereignis dieser „Porträtsitzung“, das zum Bild wird. Eine humanisierte Tierdarstellung voller psychologischer Momente und Einfühlung ist daraus geworden. Ein Bild zum Staunen und Schmunzeln. Als antizipiere es die lange Zeit später aufgekommenen Gruppenfotografie, die ähnlichen Kompositionsmustern folgen wird.