Station: [11] Philipp Leclerc und die Schönheit der klassischen Ideallandschaft

  • Römermuseum Homburg-Schwarzenacker

Im dritten Raum begegnen wir der Kunst von Philipp Leclerc. Er wurde 1755 in Zweibrücken geboren und erhielt wohl seinen ersten Zeichenunterricht bei seinem Vater, Jakob Friedrich Leclerc, der von 1757 an für dreißig Jahre als Hofminiaturmaler der Zweibrücker Herzöge arbeitete. Über Philipp Leclerc's Ausbildung berichtet Johann Christian von Mannlich: „In seinem 15. Jahr kam er in die Akademie nach Mannheim und studierte daselbst nach der Natur und an den Werken der Griechen bis 1771, wo er bei Daniel Hien, herzoglichem Hofmaler in Zweibrücken zu malen anfing.“ 1781 nahm in Herzog Karl II. August als Hofmaler in seinen Dienst und erlaubte ihm sogar ab Mitte der 80er Jahre Wohnsitz auf Schloss Karlsberg zu nehmen. Leclerc dankte es dem Herzog, indem er seinem Blick lenkte und in irdische Paradiese schweifen ließ - wären die Himmel nur etwas weniger bewölkt. Aus der Tradition der Zweibrücker Malergruppe stammend, verstand es Philipp Leclerc die international motivierte Ideallandschaft mit der heroischen Landschaft zu verknüpfen.

Um 1790 ist seine große „Landschaft bei Tivoli mit Fischern“ entstanden. Im 18. und 19. Jahrhundertwaren solch' mediterranen Landschaften mit Brücken, Tempelruinen, Hirten und Fischern ein beliebtes Bildthema. Mit Goethe gesprochen, wäre dies eine klassische Ideallandschaft, deren Wesen nur eines sei: Schönheit.

Dabei bedient sich Goethe der gleichen Sprache wie der Begründer des sogenannten archäologischen Klassizismus Johann Joachim Winckelmann, der Mitte des 18. Jahrhunderts als „Erwecker der Antike“ angesehen wurde und auf den man sich bis weit hinein ins 19. Jahrhundert als geistiges Idol berief: „Erst in der Entrückung ist die Würde des Menschen ideell immunisiert, dem despotischen Zugriff entzogen.“ In solchen Landschaften „ohne Spuren äußerer Knechtung“ kann das klassische Ideal auf Distanz gehen, sowohl zur feudalen Sphäre etwa eines Ludwigs XIV., als auch zur Welt der bürgerlichen Nützlichkeits- und Wirklichkeitsforderungen. Der aufgeklärte Verstand zeigt, was die Seele suchen darf. Poetische Momente. Hier sind Ideen gemalt. Ob die graue Farbentönung etwa in Verbindung mit dieser Ideenmalerei stehen mag?

Wir richten unseren Blick auf die ebenfalls um 1790 entstandene „Landschaft mit steinerner Brücke“. Während die Zweibrücker editiones bipontines Bücher über den modernen Brücken- und Straßenbau hinausgeben in die Welt, malt Philipp Leclerc sich zurück zur großen idealen Landschaft mit heroischen, bewussten Zitaten antiker Brücken und Portalen. Auch zeit er, dass er sich in der Nähe wähnt neben dem großen Vorbild Claude Lorrain. Der Jüngste unter den Zweibrücker Malern hat nicht den hortus conclusus einer Idylle im Sinn, wie er ihn von seinen Lehrmeistern kennt, sondern den ideengesättigten großen Landschaftsentwurf. Dieser ist im Zuge einer ellipsenförmigen Komposition gestaltet. Ellipsenförmig erscheint der Weg, den das heimkehrende Landvolk vom Vordergrund aus über die Brücke in die antike Behausung einschlägt. Der Ellipsenform folgt auch die verschattete Rahmung des Bildvordergrundes. Es ist genau diese Kompositionsidee, die das Bildgeschehen wie aus einer größeren Distanz wahrnehmen lässt. - Kurze Zeit später wird sich auch Caspar David Friedrich dieser Kompositionsidee bedienen. – Eine melancholische Stimmung liegt auf dem Bild. Noch ist der Kreislauf der heimkehrenden Hirten nicht gestört. Aber es ist Abend einer untergehenden Welt. Auch dies sind Metaphern des romantischen Klassizismus.

Was könnte die Kunst Philipp Leclerc's stärker kontrastieren, als die beiden kleinen, an der gegenüberliegenden Wand hängenden „Ansichten des Rathofes in Speyer“? 1790, also gleichzeitig, hat Franz Stöber diese realistischen Veduten gemalt. Sie sind der bürgerliche Gegensatz zur spätfeudalistischen höfischen Kunst.