Station: [03] Johann Christian von Mannlich

  • Römermuseum Homburg-Schwarzenacker

Wir wenden uns nach rechts und sehen Konrad Mannlichs Porträt seines Sohnes Johann Christian, das im Jahre 1756 entstand. Die Ausbildung zum Porträtmaler erhielt der 1700 in Augsburg geborene Konrad Mannlich bei Johann Kupezky in Wien. Nach kurzer Tätigkeit am württembergischen Hof in Ludwigsburg setzte er seine Studien zwischen 1726 und 1732 in Paris fort. Hier lernte er vor allem die Tierbilder und Jagdstücke des an allen europäischen Höfen gefragten Jean-Baptiste Oudry (1686 -1755) kennen. Was mit der Sensibilität für ein neues Naturgefühl und mit den humanisierten Tierdarstellungen im Werke Oudry's begann, war dann im Kreise der Pfalz-Zweibrücker Maler Vorbild und fand Fortsetzung.

Denn: Fast alle ihre Studienwege führten über Paris und die französische Kunst. Andere Vorbilder mögen für das Jugendporträt Pate gestanden haben: Die Bildniskunst des Jean-Baptiste-Simeon Chardin (1699 - 1779) und die raffinierten Nachtstücke von Georges de la Tour (1593 - 1652). Dennoch: Konrad Mannlich verstand es, die bildwirksamen Momente in seine eigene Kunst, in seinen Stil zu überführen. -Tue, was du tust. - Der Betrachter darf teilhaben an der stillen Versunkenheit in die Tätigkeit des Zeichners. Das Licht einer Öllampe erhellt das Gesichtsprofil und die Hände. Es ist dieses differenzierte Reflektionslicht, das einem einfachen Arbeitsplatz Atmosphäre verleiht.

Der 1741 in Straßburg geborene Johann Christian von Mannlich erhielt die erste künstlerische Ausbildung bei seinem Vater. Der am Hofe tätige Porträtspezialist Johann Georg Ziesenis (1716 - 1776) machte Christian IV. auf die Talente des jungen Mannlich aufmerksam. Der Herzog gewährte ihm ab 1758 ein Studium an der Zeichnungsakademie Mannheim. Als Konrad Mannlich im gleichen Jahr starb, war es wiederum Christian IV., der an Vaters statt und als väterlicher Freund die weiteren Schritte des jungen Künstlers förderte. So nahm er ihn ab 1762 regelmäßig mit in sein Pariser Stadtpalais „Hotel de Deux-Ponts“, machte ihn vertraut mit den Sammlungen italienischer, flämischer und niederländischer Meister in Paris und Versaille. Er stellte die Kontakte her zu den führenden Vertretern der ecole frangaise und ermöglichte ihm die Teilnahme am Musik- und Theaterleben der Stadt. Schnell lernte Johann Christian von Mannlich alle Facetten der französischen Genremalerei kennen. Wie er diese Kunst unterhaltsamer Anschauung ins Bild zu setzen verstand, zeigt das Beispiel links neben dem Herzogporträt. Dargestellt ist eine Szene aus der komischen Oper „Le Bucheron" - „Der Holzfäller“ - von Francois Andre Philidor (1726 - 1795). Der auch als Schachspieler berühmt gewordene Hauptvertreter der französischen „opera comique“ gehörte ebenfalls zu den Proteges Herzog Christians IV. Als „maitre de musique“ des Herzogs von Pfalz-Zweibrücken schrieb er zahlreiche Kompositionen für die Zweibrücker Hofmusik. Für sein Opernschaffen suchte er sich Charaktertypen mit Unterhaltungswert aus den bürgerlichen Ständen und aus dem Handwerksleben. Durch und durch Theatermann, besaß Philidor einen starken Hang zu Schäferidyllen, zur Karikatur und Travestie. Kritiker bescheinigten ihm, dass er dramatisch und derb zupacke. Gemalt hat Mannlich das Genrestück 1763, im Jahr der Uraufführung „Le Bucherons“. Inhalt der Oper und Darstellungstypus des Gemäldes gehen kongenial zusammen. In Szene gesetzt ist der Kulminationspunkt der komischen Oper: Ein Holzfäller hat drei Wünsche frei.

Der erste Wunsch ist soeben auf dem Tisch erschienen, - ein Aal. Angesichts der Stummheit seiner Frau setzt der vom Leid geplagte Holzfäller zum zweiten Wunsch an. Die dramatisch zugespitzte Szene erinnert an bäuerliche Genreszenen von Jan Stehen und Adrian van Ostade. Ganz bewusst lehnt sich Mannlich an solche Vorbilder an. Es ist, als würde er sagen: “Schaut her, auch dieses kann ich!“ Dabei hatte er Anschauung genug. Allein im Jahre 1760 soll Herzog Christian IV. für seine Sammlungen 30 Gemälde in Paris gekauft haben, fast alles niederländische Meister. In den Folgejahren war Mannlich bei etlichen dieser Ankäufe anwesend. Zwischen 1760 und 1765 erwarb der Herzog eine stattliche Anzahl an Gemälden zeitgenössischer Franzosen, darunter ein Dutzend allein von Frangois Boucher. So hatte Mannlich auch Gelegenheit, die sinnenfrohe zeitgenössische französische Kunst zu studieren. Während seines dritten Parisaufenthaltes 1765/66 war er Gast und Schüler im Atelier von Francois Boucher. Darauf folgte bis 1771 ein Stipendium an der französischen Akademie in Rom. Studieren hieß kopieren - und so entstanden u.a. Studien und Kopien nach Raffael. Auf der Rückreise lernte er 1771 in Florenz Anton Raffael Mengs und seine klassizistische Kunst kennen. In Parma fertigte er Kopien nach Correggio, darunter eine kleine „büßende Maria Magdalena“.