Station: [050] Franz Gertsch (*1930), Triptychon (Schwarzwasser), 1992

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„Triptychon (Schwarzwasser)“ aus dem Jahr 1992 zählt zu den Höhepunkten im Schaffen von Franz Gertsch. Der Blick fällt auf eine ruhige, kaum von Wellen bewegte Wasseroberfläche. Auf ihr zeichnen sich mehrere konzentrische Kreise ab, die einander überschneiden. Dort, wo die Kreise sich ausbreiten, muss etwas ins Wasser gefallen sein. Die unterschiedlichen Radien der Kreise deuten an, wie weit diese einzelnen Ereignisse auseinanderliegen. So wird das Vergehen von Zeit sichtbar – auch wenn das Bild selbst stillsteht. „Triptychon (Schwarzwasser)“ ist ein Holzschnitt. Das Motiv erscheint vor unseren Augen dank eines dichten Teppichs aus winzigen Lichtpunkten. Die Darstellung basiert auf einer Fotografie, die an einem kalten Wintermorgen entstand. „Es war neblig“, erzählt Franz Gertsch, „und hatte den ersten Raureif. Als der Nebel sich lichtete, kam die Sonne durch, und ihre Strahlen brachten den Raureif zum Schmelzen. Tropfen und kleine Eisstückchen fielen von den Bäumen ins Wasser, und so entstand dieses ‚Licht-Wasser-Spiel’.“ Ein Foto in einen Holzschnitt zu verwandeln – noch dazu in einen Holzschnitt von solcher Größe –, ist eine Aufgabe, die Fingerspitzengefühl, Präzision und viel Zeit verlangt. Bis zur Fertigstellung vergingen dafür achtzehn Monate! Sein Bild zeigt also nicht nur das Vergehen von Zeit, es ist auch ein Zeitspeicher.