Station: [039] Otto Steinert (1915 – 1978), Nervige Schatten 1951

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Wissen Sie was ein „Luminogramm“ ist? Mit diesem Begriff bezeichnete Otto Steinert eine experimentelle fotografische Technik. Mit ihr konnte er wortwörtlich ein „Zeichnen mit Licht“ umsetzen, frei von darstellenden Absichten. Sein Verfahren ist technisch denkbar einfach. Mit geöffneter Blende wird die Kamera bewegt. Lichtquellen, die währenddessen auf den Film treffen, zeichnen Bewegungsspuren in das Negativ. Im Jahr 1955 publizierte Steinert einen Bildband mit dem Titel subjektive fotografie 2. Seinen eigenen Worten nach stellten seine Luminogramme die „höchste Vollendungsstufe“ des fotografischen Gestaltens dar. Noch in den 1950er Jahren gab Steinert die experimentelle Fotografie jedoch zugunsten eines darstellenden Arbeitens mit der Kamera wieder auf. Steinerts Freund und theoretischer Wegbegleiter der subjektiven fotografie, Josef Adolf Schmoll genannt Eisenwerth, schildert, wie Steinert zu diesem Luminogramm-Verfahren inspiriert wurde. Es entstand beim Besuch einer Ausstellung von Hans Hartung in Paris: „Otto packte seine Kamerakoffer aus und bestieg eine der halbhohen Balustraden, die den Platz rahmen. „(…) Er bat mich, ihn von rückwärts zu halten und gegen ein Abstürzen zu sichern. Dann fotografierte er mit leichten Schlingerbewegungen seines Körpers.“