Station: [024] Pablo Picasso (1881 – 1973), Stuhl mit Schädel und Buch, Chaise au crâne et au livre, 1946

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Pablo Picassos „Stuhl mit Schädel und Buch“ entstand unter dem Eindruck der traumatischen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Anders als viele seiner Künstlerkollegen war Picasso während der Zeit der deutschen Besatzung zwischen 1940 und 44 in Paris geblieben. 1946 entstand dieses Vanitas-Stilleben, das die Vergänglichkeit alles Irdischen versinnbildlicht. Picasso verknüpft das traditionsreiche Motiv mit der damals aktuellen Situation von Krieg, Not und Verfolgung. Die dargestellten Gegenstände – Krug, Totenschädel und ein aufgeschlagenes Buch – sind Symbole der Zerbrechlichkeit und Endlichkeit menschlichen Lebens. Die vereinfachte Formgebung, die Facettierung des Hintergrundes und die Auflösung eines perspektivisch geordneten Raums machen es zu einem Werk des Kubismus. Der Stuhl verweist auch auf Gemälde von Vincent Van Gogh. In seinem Bild „Vincents Stuhl mit Pfeife“ von 1888 liegen Tabak und Pfeife auf dem Stuhl. Der Besitzer der Gegenstände ist jedoch abwesend. So ergibt sich auch hier der Gedanke an den Tod. Im Gemälde Picassos lassen sich der Stuhl und das darauf zurückgebliebene Buch als Hinweise auf zwei befreundete Schriftsteller des Künstlers, Robert Desnos und Max Jacob, interpretieren. Beide Männer kamen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern ums Leben.