Station: [021] Emil Nolde (1867 – 1956), Exotische Figuren, 1912

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Die Bildwelten Emil Noldes sind vielfach von bizarren Gestalten bevölkert. Wie viele Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts begeisterte er sich für die afrikanische und polynesische Kunst. Ihr elementarer und vitaler Ausdruck war eine neue Quelle der Inspiration. Durch die deutsche Kolonialpolitik waren seit Mitte des 19. Jahrhunderts umfangreiche völkerkundliche Sammlungen entstanden. Diese wurden in eigens dafür gebauten Museen in Dresden, München und Berlin ausgestellt. Wie seine Mitstreiter aus dem Kreis der „Brücke“ fertigte Nolde hier Studien der exotischen Artefakte an. Darüber hinaus sammelte der Künstler auch selbst kunstgewerbliche Objekte aus aller Welt und nahm 1913 sogar an einer Expedition nach Neu-Guinea teil. Die Motive der außereuropäischen Skulpturen kommen Noldes Hang zum Bizarren und Mythischen entgegen. Durch eine expressive Farbgebung unterstrich er in seinen Masken- und Figurenbildern ab 1911 die Dimension des Übernatürlichen und Spirituellen, die er in den rituellen Objekten erspürte. Hintersinnig arrangierte er die Fetische und komponierte Stillleben, die sich in leuchtende, magisch belebte Szenarien verwandeln. Auch in dem Gemälde „Exotische Figuren“ scheinen die grotesken Figuren, vor einen blauen Bildgrund gesetzt, zu Stellvertretern einer visionären Kraft zu werden.