Station: [3] Tulpenbecher
Fridolin: Ich glaube: Das ist ein Fall für unseren Experten! Und zwar den Michi. Der kann das viel besser erzählen als ich. Aber die Sache ist knifflig. Um den Michi zu treffen, müssen wir 6.000 Jahre zurückreisen, in die Jungsteinzeit. Knifflig, knifflig. Aber wir versuchen es einmal, ok. Bereit? Volle Konzentration und Daumen drücken: Hokus- gespenstipokus-bruchsalimusimus, wir reisen zurück in die Jungsteinzeit.
[Sound: Zaubergeräusch/Zeitreise]
Michi: Nanu, das ist doch Fridolin, das Schlossgespenst! Und Besuch hat er auch dabei.
Fridolin: Wir dachten, du könntest uns etwas über diesen seltsamen Becher verraten, der im Stadtmuseum ausgestellt ist. Und da sind wir mal eben, schwuppsdiwupps, in die Vergangenheit gereist. Ist das nicht gespenstitastisch!?
Michi: Also für mich ist das ja einfach ein Becher. Aber eure Fachleute nennen das aber, glaube ich, Tulpenbecher. Aber am besten, ich stelle mich zuerst einmal vor: Ich bin Michi. Ich bin ein Steinzeitkind. Da staunst du, was? Ich lebe in einem Dorf hoch oben auf dem Michaelsberg. Aber das ist lange vor eurer Zeit. Diese Tulpenbecher werden so genannt, weil ihre Form an die Blüte einer Tulpe erinnert. Sieht man doch, oder? Die Tulpenbecher sind ganz typisch für die Leute meiner Zeit. Wir bewahren darin zum Beispiel unsere Vorräte auf. Damit da keine Mäuse oder andere Tierchen drangehen.
Fridolin: Erzähl doch mal, Michi: Wie lebt es sich so auf dem Michaelsberg?
Michi: Naja, irgendwie ist unser Leben ganz anders als eures. Wir haben keinen Fernseher, kein Internet, kein fließendes Wasser und auch keinen elektrischen Strom. Und dann ist unser Leben doch wieder gar nicht so anders als eures: Wir leben auch in Häusern, züchten Vieh und pflanzen Getreide an. Bei der Feldarbeit müssen immer alle mithelfen. Das Getreide mahlen wir dann später zu Mehl und backen daraus Brot. Ab und zu geht mein Vater auch noch auf die Jagd. Dann versucht er zum Beispiel einen Hirsch zu erlegen. Aber das kappt nicht immer.
Fridolin: Weißt du, wie man euch in unserer Zeit nennt? Da spricht man von der Michelsbergerkultur.
Michi: Was ist denn das für ein ulkiger Name?
Fridolin: Das kommt daher, weil ein Forscher oben auf dem Michaelsberg die Scherben eines Tulpenbechers gefunden hat. Aber der Forscher wusste damals natürlich noch nicht, dass das ein Tulpenbecher ist! Er dachte, das seien halt irgendwelche Scherben. Und dann kam aber die Sensation! Denn es stellte sich heraus, dass die Scherben von Menschen stammten, die man bisher nicht kannte. Die Form eurer Gefäße war etwas völlig Neues.
Michi: Ah! Und weil man den Tulpenbecher auf dem Michaelsberg gefunden hat, nennt man die Leute meiner Zeit: Michelsberger.
Fridolin: Weißt du was, Michi!? Du könntest uns doch ein Stück begleiten.
Michi: Au ja!
Foto: © Martin Heintzen