Station: [6] Herkules


F: Der natürliche Lebensraum des Helden ist bekanntlich das Schlachtfeld. 

 

Dialekt: Manchmal findet man Helden aber auch im … Schweinestall. Oder besser gesagt: darunter. 

 

F: Es war im Jahr 1977. Karl Obermayer staunte nicht schlecht, als beim Abbruch seines Schweinestalls in Stettfeld bei Bruchsal ein seltsamer Stein zu Tage kam. Bei genauerer Betrachtung entpuppte er sich als Torso einer Statue: 90 Zentimeter groß und aus Schilf-Sandstein gearbeitet. Weitere Kennzeichen: 

 

Dialekt: Männlich, muskulös, kopflos. 

 

F: In einer weiteren Grabung wurde dann das Stück einer Keule gefunden sowie ein Teil des Unterschenkels. Zudem ließen sich auf dem Torso die Zotteln eines Löwenfells erkennen. Damit war klar: Das hier ist ein Jahrhundert-Fund! Und mehr noch: Man hat es mit einem waschechten Helden zu tun. 

 

Dialekt: Ach, was reden wir da! Wir haben es mit dem Größten aller Helden zu tun: Herkules! 

 

F: Er ist der Sohn von Göttervater Jupiter. Halb Mensch, halb Gott – und damit sterblich. Zwölf Prüfungen musste Herkules bestehen, dann durfte er in den Olymp aufsteigen und unsterblich werden. Mit bloßen Händen tötete er also unter anderem den Löwen von Nemea, besiegte den kretischen Stier, köpfte die vielköpfige Hydra und verfrachtete den Höllenhund Zerberus zurück in die Unterwelt. 

 

M: Die Statue selbst stammt aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Damals befand sich auf dem Gebiet des heutigen Stettfelds ein wichtiger römischer Stützpunkt. Zudem kreuzten sich hier zwei große Römerstraßen. F: Die eine führte von Moguntiacum, dem heutigen Mainz, nach Basilea – also Basel. Die andere Straße führte vom heutigen Speyer nach Cannstatt. Ein Teil dieser alten Römerstraße konnte auf dem Areal des Stettfelder Friedhofs freigelegt werden.

M: Zur Blütezeit lebten im vicus Stettfeld schätzungsweise bis zu 800 Menschen. Ab etwa 260 nach Christus wurde die Siedlung jedoch aufgegeben. Zu dieser Zeit fiel der Limes, die gewaltige Befestigungsanlage der Römer, und die germanischen Stämme rückten immer weiter in römisches Gebiet vor.   

 

Foto: © Martin Heintzen