Station: [3] Dolch aus Grand-Pressigny-Feuerstein


F: Februar 1965. In einer Sandgrube nahe Bruchsal wird gebaggert. An sich nichts Ungewöhnliches. Doch dann kommt ein „merkwürdiger“ Gegenstand zu Tage: Knapp 24 Zentimeter lang, drei Zentimeter breit und von ungewöhnlichem Aussehen. Honiggelb ist das Objekt, mit violett-braunen Flecken und überzogen mit einer wachsartigen Patina.  

 

Dialekt: Der Finder war erstmal ratlos, folgte dann aber der menschlichen Natur – also der Neugier. Und so wurde dieses „Ding“ an einer Eisenschiene getestet. Mit dem Ergebnis, dass ein vier Zentimeter langes Stück der Spitze abbrach. Ansonsten hielt sich der Erkenntnisgewinn in Grenzen. 

 

F: Was die Entdecker damals nicht wissen konnten: Bei dem Gegenstand handelt es sich um ein einmaliges Fundstück. Es ist ein Dolch aus Feuerstein. Die abgebrochene Spitze konnte später glücklicherweise wieder angefügt werden. 

 

M: Der Feuerstein, und das ist das Besondere, stammt aus Le Grand-Pressigny. Der kleine Ort liegt rund 300 Kilometer südwestlich von Paris. Vor etwa 4.000 Jahren befand sich dort eine bedeutende Mine, in der Feuerstein von besonders hoher Qualität abgebaut wurde. 

 

F: Typisch für den Grand-Pressigny-Feuerstein sind die großen gelben Rohlinge. Da sie in Form und Farbe an ein großes Stück Butter erinnern, nennt man sie auch „Livre de beurre“. Auf deutsch: Butterpfunde. 

Aus diesem Rohmaterial ließen sich besonders gut lange Klingen und Dolche herstellen. Man fand solche Objekte in Belgien, in den Niederlanden, der Schweiz und eben auch hier in Bruchsal. 

 

M: Vermutlich kam der Dolch mit den Menschen der Glockenbecherkultur hierher. Ihren etwas sperrigen Namen verdankt diese Kultur ihren charakteristischen Töpferwaren, die die Form einer Glocke haben. Zwei dieser Glockenbecher sehen Sie hier in der Vitrine. Die Menschen der Glockenbecherkultur lebten vor über 4.000 Jahren, am Übergang zwischen Jungsteinzeit und Bronzezeit. Sie hatten kein zusammenhängendes Siedlungsgebiet, sondern waren inselartig über ganz Europa verstreut. 

 

Foto: © Martin Heintzen