Station: [13] Schild Reichsnährstand


M: Am 30. Januar 1933 ernannte Paul von Hindenburg den Vorsitzenden der NSDAP, Adolf Hitler, zum Reichskanzler. Sofort begannen die Nationalsozialisten damit, alles ihrem totalitären Herrschaftsanspruch zu unterwerfen. Staatliche und gesellschaftliche Institutionen wurden an die ideologischen und politischen Ziele der NSDAP angepasst, Staat, Justiz und Gesellschaft wurden komplett durchdrungen und gleichgeschaltet. So auch die Landwirtschaft. 

 

F: Mit dem "Gesetz über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes" wurden im September 1933 alle in der Landwirtschaft tätigen Personen, Betriebe, Verbände sowie auch die Landwirtschaftskammern zwangsvereinigt. Somit zählte der Reichsnährstand rund 17 Millionen Mitglieder. Das Reichsgebiet wurde streng hierarchisch in 26 Landesbauernschaften eingeteilt, die jeweils in Kreis- und Ortsbauernschaften untergliedert waren.

 

M: Auch Heidelsheim, heute ein Stadtteil von Bruchsal, blieb von der Gleichschaltung nicht verschont. Der dortige Ortsbauernführer war ein gewisser Christian Jäger, er saß zudem als Beigeordneter im Gemeinderat. Das Schild, das Sie hier vor sich sehen, hing einst an seinem Haus an der Friedrichstraße, heute Zähringerstraße. 

 

F: Das Motto des nationalsozialistischen Reichsnährstands lautete „Blut und Boden“. Propagiert wurde das Ideal des heimatverbundenen, vorindustriellen Bauerntums – das „Hauptquell des deutschen Volkes“, wie es hieß. Mit dieser Idealisierung versuchte man unter anderem die dramatische Landflucht einzudämmen und den damit einhergehenden Rückgang der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte. Denn trotz aller ideologischen und sozialpolitischen Bemühungen, die Menschen zog es in die Stadt – dorthin, wo die lukrativeren Arbeitsplätze waren. 

 

 

M: Mit einer Fülle von Gesetzen und Vorschriften versuchte der Reichsnährstand die gesamte landwirtschaftliche Marktordnung zu regeln. Dazu gehörte unter anderem die Kontrolle der Markt- und Preisverhältnisse, die Regelung der Einfuhren, die Erfassung der inländischen Produktion und deren Verteilung im Reichsgebiet. Ab 1934 waren die deutschen Landwirte dazu aufgerufen, ihre Produktivität zu steigern – und zwar deutlich. Man wollte sich vom Weltmarkt abschotten. Ziel war die Selbstversorgung des deutschen Binnenmarkts. Das Schlagwort der Stunde lautete „Erzeugungsschlacht“.

 

Foto: © Martin Heintzen