Station: [10] Fürstbischöfliche Porträts und Schönborn Medaille
F: Lassen Sie uns einmal zurückgehen. Dorthin, wo alles begann:
Dialekt: Und zwar ins Jahr 1056. Durch eine Schenkung des Kaisers fällt Bruchsal an die Bischöfe von Speyer. Und diese sollten für die nächsten 750 Jahre das geistige und weltliche Oberhaupt sein.
F: Vier dieser Bischöfe wollen wir Ihnen etwas genauer vorstellen. Das Porträt ganz links zeigt Kardinal Damian Hugo von Schönborn. Mauern und Sitten habe er aufgebaut, so das Urteil seiner Zeitgenossen. Und obwohl er aus einer mächtigen und reichen Adelsfamilie stammte, galt der Fürstbischof als äußerst sparsam. Ja, geradezu asketisch.
M: 1722 beschloss Schönborn, die bischöfliche Residenz von Speyer nach Bruchsal zu verlegen – und in diesem Zuge veranlasste er den Bau des Bruchsaler Schlosses. Unten in der Vitrine zeigen wir Ihnen die Schönborn Medaille. Sie wurde zum 250. Todestag des Kardinals im Jahr 1993 herausgegeben.
F: Auf dem nächsten Porträt sehen Sie Schönborns Nachfolger: Franz Christoph von Hutten zu Stolzenberg. Er stand dem Hochstift von 1743 bis 1770 vor. Hutten ließ das Innere der Residenz im Rokoko-Stil ausgestalten.
Dialekt: Und obwohl das Schloss in seiner Amtszeit fertig gestellt wurde, ließ er an der Fassade das Wappen seines Vorgängers anbringen. Nett, oder?
F: Hutten galt als humorvoll, offen und leutselig. Bei seiner Wahl zum Fürstbischof war er gerade einmal 37 Jahre alt. Mit seinem asketischen Vorgänger hatte er wenig gemeinsam: Unter Hutten verdoppelte sich das Personal am Hof, die Personalkosten stiegen gar um das sechsfache. Er verteilte großzügig Geschenke und Gehaltserhöhungen. Bei seinem Tod lasteten Schulden von fast einer halben Million Gulden auf dem Land. Bestattet wurde Hutten in der Gruft der Peterskirche, sein Herz aber wurde in der Kirche in Waghäusel beigesetzt. So war sein ausdrücklicher Wunsch.
M: Kommen wir nun zu Fürstbischof August von Limburg-Stirum. Er regierte von 1770 bis 1797, galt als sparsamer Regent und schränkte die Hofhaltung seines Vorgängers ein. Während seiner Herrschaft entstanden unter anderem ein Spital sowie ein Waisen- und Armenhaus. Er verlängerte die Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr und ließ mehrere Schulen bauen.
Dialekt: Allerdings galt der Bischof auch als äußerst streitbar und prozessfreudig, wovon der Stirumsche Mauerstreit zeugt. Streitpunkt war eine Befestigungsmauer, die instandgesetzt werden sollte. Die Kosten sollte die Stadt Bruchsal tragen. Die lehnte das jedoch ab, klagte – und verlor. Der Streit zog sich Jahre hin, widerwillig bezahlte die Stadt dann doch. Am Ende war die Mauer fertig und der Bischof tot. Und was machte dessen Nachfolger? Er ließ als erstes die Mauer abreißen.
M: Und damit wären wir bei Bischof Wilderich von Walderdorf angelangt. Zu sehen im Porträt rechterhand. Er regierte von 1797 bis 1802. Mit ihm ging die Ära der Fürstbischöfe zu Ende. Im Zuge der Säkularisation musste er sein Herrschaftsgebiet an das Großherzogtum Baden abtreten. Walderdorf starb 1810. Unter seinem Testament stand: „Der letzte unglückliche Bischof und Fürst zu Speier.“
Foto: © Martin Heintzen