Station: [10] Die Landkarte von Adam Friedrich Zürner


Man muss sich schon ganz schön anstrengen, um auf der 40x50 cm großen Landkarte alles lesen und erkennen zu können. Aber es lohnt sich! Ganz oben steht in Großbuchstaben die Widmung: „Dem Allerdurchlauchtigsten Grossmächtigsten Fürsten Friedrich August König von Polen und Kurfürsten zu Sachsen“, heute bekannt als August der Starke. Im Feld rechts oben ist die Karte betitelt: Die „Superintendentur Grossen Hayn, samt ihren Städten, Flecken, und Dorfschaften“. 1711 hat sie der Pfarrer zu Skassa, Adam Friedrich Zürner, „mit sonderbarem Fleisse“ vermessen „und in diesen Riss gebracht“.

Ein Pfarrer aus der Nähe von Großenhain hat vor über 300 Jahren die erste moderne geographische Darstellung der Landschaft geschaffen! Links schlängelt sich die Elbe über das Blatt, rechts die Pulsnitz, die Grenzen des Bezirks. Bäume stellen Wälder dar, markante Berge sind eingezeichnet. Mit weiteren Signaturen hat Zürner Ortschaften, Mühlen, Gasthöfe, Weinberge und vieles mehr bezeichnet: Die Karte ist ein umfassendes geographisches Informationssystem! August der Starke war so begeistert, dass er den Pfarrer aus Skassa 1713 beauftragte, das ganze Kurfürstentum zu kartieren.

1716 wurde Zürner zum „Kurfürstlichen Geograph“ ernannt. Mit seinem selbst konstruierten Messwagen legte er viele Tausend Kilometer kreuz und quer durch Sachsen zurück. 1718 legte er die „Neue Kursächsische Postkarte“ in 16 Blättern vor. 1721 wurde er endlich kurfürstlicher „Land- und Grenzkommissar“ mit festem Gehalt. Er gab sein Pfarramt auf, zog nach Dresden und widmete sich dort auf Grundlage seiner Vermessungen der Aufstellung der Postmeilensäulen. Der kolorierte Kupferstich des Kirchenbezirks Großenhain ist daher nicht nur optisch ein Hingucker. Die Karte ist ein Meilenstein der sächsischen Vermessungsgeschichte.

Foto: Die Landkarte von Adam Friedrich Zürner. © Museum Alte Lateinschule