Das Schaezlerpalais in der Maximilianstraße ist Augsburgs bedeutendstes Gebäude des Rokoko und beherbergt die Deutsche Barockgalerie, die Sammlung der Karl und Magdalene Haberstock Stiftung, die Grafische Sammlung, den Rokokofestsaal von 1767 mit seiner zu ca. 90 % erhaltenen originalen Oberfläche, sowie die Staatsgalerie Alte Meister in der angeschlossenen Katharinenkirche. Für alle Gäste steht außerdem der nach historischen Befunden gestaltete Rokokogarten zum kostenlosen Besuch offen – auch jenen, die nicht in eine unserer Sammlungen möchten.
In der Deutschen Barockgalerie sind fast hundert bedeutende Meisterwerke der Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts aus den Sammlungsbeständen der Stadt Augsburg und verschiedener Leihgeber zu sehen. Der Schwerpunkt liegt auf den Werken der in Augsburg tätigen Barockmaler, u.a. Josef Heintz , Matthäus Gundelach, Johann König und Johann Georg Bergmüller, Johann Evangelist Holzer und Matthäus Günther. Während die Gemälde von Johann Heinrich Schönfeld und des Künstlerkreises der frühen Augsburger Akademie einen Eindruck der Malerei des Hochbarock vermitteln, zeichnen die Werke von Johann Georg Bergmüller und seinen Schülern Holzer und Günther die Entwicklung zur Rokokomalerei nach. Deren Ausklang ist anhand von Arbeiten von Anton Graff, Anton Raffael Mengs und Heinrich Friedrich Füger und ihren Zeitgenossen nachzuvollziehen.
Das Glanzstück des 1765-70 errichteten Palais ist der Rokokofestsaal mit dem Deckengemälde von Gregorio Guglielmi. Seine prunkvolle Ausstattung im Stile des ausklingenden Rokoko wurde von namhaften Künstlern der Zeit realisiert:
Gregorio Guglielmi aus Oberitalien, der auch in Schönbrunn bei Wien für die Kaiserin Maria Theresia tätig war, verwirklichte in der Mitte der weitgespannten Decke ein barockes Fresko mit der Darstellung der vier bekannten Weltteile und der alles dominierenden Personifikation Europas. Thema des Bildes ist: „Der Handel verbindet die Erdteile“. Mit seiner lichten Farbigkeit erweckt das Fresko den Anschein der Öffnung in den Himmel und damit der Erweiterung des Raumes, der auch durch die Vielzahl an Fenstern dem Betrachter nahegelegt wird. Die Farbigkeit erinnert zudem an venezianische Fresken. Eingebettet ist das Deckenbild in die grandiose Stuckdekoration der Gebrüder Franz-Xaver und Simpert Feichtmayr. Die Schnitzereien an Spiegeln, Wänden und Möbeln wurden von Placidus Verhelst ausgeführt. Das Thema des Festsaals ausgehend von der Darstellung im Deckenfresko in dem sich Weltallegorie mit der antiken Götterwelt verbindet, setzt sich an den Wänden des Saals fort. Dort sind über den Türen vier Supraporten mit Darstellung von Flora und Fauna der Weltteile in die Stuckdekoration eingebettet, die gegenüber dem göttlich himmlischen Bereich des Deckenfreskos schon auf der „Erde“ angekommen sind. Ähnlich sind auch die Dekorationen über den Spiegeln der Schmalseiten zu deuten, die auf die vier Jahreszeiten verweisen. Hingegen enthalten die Spiegelbekrönungen auf den Längsseiten die Erdkreiszeichen als Hinweis auf den Jahreslauf, der in den Gestirnen sichtbar durch die Vielzahl der Fenster des Saales beobachtet werden kann. Auch bietet sich hier der Bezug zum Garten und seinen Veränderungen im Jahreslauf. Seine besondere Faszination entwickelt der Saal, wenn er Abends erleuchtet wird. Früher erfolgte dies noch mit Kerzen, die aber aus konservatorischen Gründen heute durch Attrappen ersetzt wurden. Denn ein Großteil der Oberflächen des Raumes sind noch original wie sie die Handwerker kurz vor der Eröffnung des Raumes im April 1770 hinterlassen haben. Dies macht den Raum zu einem einzigartigen Dokument.
Zusammen mit Gemälden u.a. von Paulo Veronese, Giovanni Battista Tiepolo, Antonius van Dyck, Jacob Ruisdael und Lukas Cranach d.Ä. erhielt die Stadt Augsburg 1983 den gesamten Nachlass des in Augsburg geborenen Kunsthändlers Karl Haberstock (1878-1956) und seiner Ehefrau Magdalene (+1983), darunter auch deren Bibliothek und wertvolle Archivalien. Die Kunstsammlungen und Museen Augsburg bewahren den Nachlass seitdem im Schaezlerpalais und präsentieren hier auch die außergewöhnliche Gemäldesammlung des Ehepaares. Seit der amerikanische Historiker Jonathan Petropoulos im Jahr 2000 den Umgang der Stadt Augsburg mit der Karl und Magdalene Haberstock-Stiftung kritisierte, bemühen sich die Kunstsammlungen den Nachlass des Berliner Kunsthändlers wissenschaftlich aufzuarbeiten, der u.a. auch an Nazigrößen verkauft hat und als Einkäufer für das von Hitler geplante „Linzer Museum“ tätig war.