Station: [05] Holzblasinstrumente

  • Oboe Inv. Nr. 2533

Hörbeispiel: Titel 15 der CD: "Musik aus dem Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen" Johann Gottlieb Naumann (1741-1801) Duett für Oboe und Fagott D-Dur Allegretto gespielt von Michael Bosch und Alexander Golde

Sie erhalten diese CD für 15,00 € im Tourismusbüro (Museumskasse) im Gerber-Hans-Haus.


Obwohl Markneukirchner Drechsler bereits ab 1710 Holzblasinstrumente hergestellt haben könnten und der Beruf des “Geigen- und Pfeifenmachers” schon um 1740 im Vogtland Erwähnung findet, gibt es in Markneukirchen erst ab den 1770er Jahren eindeutigere Belege für dieses Handwerk. Der frühe vogtländische Holzblasinstrumentenbau ist durch Instrumente der Familien Jäger, Jehring, Lederer, Liebel, Otto, Schuster und Zencker vertreten. Daneben zeigt die Sammlung auch Exponate der bekannten sächsischen Werkstätten Grenser, sowie Krone und Sattler, vor allem aus der Zeit um 1800.

Nach dem derzeitigen Informationsstand ist das älteste bis heute erhaltene vogtländische Holzblasinstrument im Besitz unseres Museums. Es ist die Oboe Inr. 1040 (Vitrine 33), die 1785 von Johann Georg Otto (1762-1821) gebaut wurde, einem vogtländische Meister, den die Fachliteratur zu den bedeutendsten Holzblasinstrumentenmachern seiner Zeit rechnet.

Wie vielseitig eine Markneukirchner Werkstatt in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts arbeitete, das dokumentieren sieben Instrumente von Christian Gottfried Schuster (1781-1839). Aus seiner Werkstatt zeigt unsere Ausstellung ein Fagott (Inr. 0104; Vitrine 32), ein Oktavfagott (Inr. 0105, Vitrine 32), ein Kontraquintfagott (Inr. 0135, Wand), zwei Flöten (Inr. 0108 und 4367, beide Vitrine 31), ein Bassetthorn (Inr. 0106 Vitrine 34) und eine B-Klarinette nach dem seinerzeit modernen Müller-System (Inr. 0193, Vitrine 35).

Die heute gebräuchlichen Systeme der Holzblasinstrumente sind in der Regel nach ihren Konstrukteuren oder Erfindern benannt. In einigen Bereichen - z. B. bei den Oehler-Klarinetten - wurden diese Bauweisen von vogtländischen Firmen in entscheidender Weise mitgestaltet. Die jeweils aktuelleren Formen der Boehmflöte (auch als Piccolo- oder Bassflöte) zeigen in unserer Sammlung Instrumente der Firmen Hammig und Gebrüder Mönnig; das Oehler- oder Boehm-System weisen die Klarinetten von Gerhard Gottsmann bzw. Rudi Meinel auf. Eine Oboe der Marke O. Adler & Co. ist im sogenannten französischen Konservatoriumssystem gebaut. Fagotte, wie das der Firma Gebrüder Mönnig, entsprechen dem deutschen System, d. h. dem Heckel-System. Ohne eine solche Systemangabe nennt man dagegen das Saxophon, in dessen Namen allerdings sein Erfinder Adolphe Sax verewigt wurde. Ausgestellt ist hier u. a. ein aktuelles Modell der Vogtländischen Musikinstrumentenfabrik. Bei den Blockflöten, die sich mehr oder weniger streng an historischen Vorbildern orientieren, sieht man Instrumente der Firmen W. Schneider, Zwota, und Johannes Adler, Markneukirchen.

Auf Einflüsse und Anregungen von außerhalb war der vogtländische Holzblasinstrumentenbau immer angewiesen. Entscheidend war dies vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als eine gewisse Stagnation des Gewerbes eintrat. Durch die rasante Weiterentwicklung der Metallblasinstrumente verringerte sich vor allem der Bedarf an Doppelrohrblattinstrumenten und auch die Zahl der Holzblasinstrumentenbauer war zeitweise rückläufig. Mit der zielstrebigen Anschaffung von Modellinstrumenten half das neugegründete Gewerbemuseum, dass dem Gewerbe der Anschluss an die internationale Entwicklung nicht verlorenging.

So ließ z. B. das Königlich Sächsische Ministerium des Innern um 1887 sieben Instrumente im damaligen Normalstimmton von a' = 435 Hz anfertigen, wobei Musiker der Hofkapelle z. T. als Berater wirkten. In der Ausstellung findet man davon Klarinetten in A, B und C (Inr. 0537-0539; Vitrine 35; Inv. Nr. 0538 nicht ausgestellt) und eine Piccoloflöte (Inr. 0541, Vitrine 31) von Heinrich Pinder, Dresden, eine Oboe von E. Jehring, Leipzig (Inr. 0543, Vitrine 33) und eine Flöte von B. Muss aus Wien (Inr. 577, Vitrine 31). Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es sich bei den ersten beiden Meistern um “ausgewanderte Vogtländer” handelt. Sie konnten in sächsischen Großstädten die aktuellen Entwicklungen schneller aufnehmen und somit ihrer Heimat als Vorbild dienen. Weitere beispielgebende Instrumente aus der Zeit der Jahrhundertwende sind eine originale Flöte von Theobald Boehm (Inr. 1089), Boehmflöte und -piccolo der Firma Berthold & Söhne aus Speyer (Inr. 0738, 0739), Flöten des Berliner Meisters Rittershausen (Inr. 0983, 0985), alle Vitrine 31,Flöten im Meyer- und Schwedler-Kruspe-System sowie eine Klarinette im Boehm-System (Inr. 0901, Vitrine 35). Die Leihbücher des Gewerbemuseums beweisen, dass die vogtländischen Meister noch bis zum Beginn unseres Jahrhunderts vom Angebot dieser Modellinstrumente wiederholten Gebrauch machten.

Als besonders weitsichtig erwies sich 1895 die Anschaffung eines Tenorsaxophons, das von der Pariser Firma Gautrot-Marquet gebaut wurde (Inr. 0917, Vitrine 36). Es diente als Vorbild für die erste deutsche Saxophonproduktion, welche die Firma Oskar Adler & Co. ab 1901 aufbaute. Ein originales Instrumente aus der Firma von Adolphe Sax (Inr. 3475, Vitrine 36) kam dagegen erst später in die Markneukirchner Sammlung.

Die chronologische Anordnung der einzelnen Instrumentenarten in unserem Museum verdeutlicht dem Besucher neben der Erweiterung des Klappenmechanismus vor allem auch den Wandel im Einsatz des Werkstoffes Holz, z. B. die Verdrängung von Buchsbaum durch Grenadill. Denn gerade mit der Zunahme des Klappenwerks standen die Holzblasinstrumentenmacher immer wieder vor der Frage, neue feuchtigkeitsunempfindliche Werkstoffe auszuprobieren.

Ein Werkstoff, der schon im 18. Jahrhundert bei besonders kostbaren Instrumenten verwendet wurde, ist Elfenbein. Aus diesem Material besitzt das Markneukirchner Museum eine C-Klarinette von J. Schlegel (Basel, um 1770, Inr. 1041, Vitrine 35) und eine Querflöte von G. H. Scherer (Butzbach um 1740, Inr. 1068, Vitrine 31). Letzteres Instrument wird dem Nachlass des berühmten Flötisten Johann Joachim Quantz zugeschrieben. Die Herstellung aus Metall, die bei der Boehmflöte heute die Regel ist, stellt bei anderen Holzblasinstrumenten eher eine Ausnahme dar. Dennoch versuchte man auch im Vogtland, Klarinetten, aber auch Oboen und Fagotte aus Metall herzustellen. In unserer Sammlung belegen dies eine unsignierte Metallklarinette (Inr. 1126, Vitrine 35) und eine Metalloboe der Firma Gebrüder Mönnig (L 70, Vitrine 33).

Große Spuren hat die Wiederentdeckung der Blockflöte hinterlassen, denn Markneukirchen war in den 1920er Jahren Ausgangspunkt der deutschen Blockflötenrenaissance. 1926 (oder bereits 1923) stellte Peter Harlan gemeinsam mit dem Holzblasinstrumentenbauer Kurt Jacob (1896-1973) die ersten vogtländischen Nachbauten von Blockflöten her, wobei auch das deutsche Griffsystem der Blockflöte entstand (Inr.4920 Vitrine 30). Hierzu interessant ist unser Band 3 „Meisterleistungen der deutschen Instrumentenbaukunst“: Peter Thalheimer: Vergessen und wiederentdeckt: Die Blockflöte, den Sie für 55,00 € (inklusive CD) im Tourismusbüro (Museumskasse) im Gerber-Hans-Haus erhalten.

 


Es erklingen: Oboe Inv. Nr. 2533, Friedrich August Staudinger, Dresden, um 1800 (Vitrine 33) und Fagott Inv. Nr. 0104 Gottfried Schuster, Markneukirchen, um 1820 (Vitrine 32)