Station: [18] CODA - Bachs Cello Suite in c-Moll

  • ACC Galerie Weimar

 

 

Wer seine Kultur verliert, verliert sich selbst.

Mario Vargas Llosa

 

Das THEATER DER KLÄNGE beschäftigt sich seit etlichen Jahren mit intermedialen Formen von Tanz, elektronischer Musik und interaktivem Live-Video als konsequente Weiterentwicklung des Bauhaus-Ansatzes der 1920er Jahre.
Als Fortsetzung der eigenen Arbeiten HOER­eographien und SUITE intermediale wurde für die Spielzeit 2013/14 die Premiere einer Arbeit mit dem Titel CODA – Bachs Cello-Suite in c-Moll erarbeitet, die die intermedialen Durchdringungen konzentrieren, präzisieren und durch Erweiterungen auf ein neues Level bringen sollte.

Der Fokus der Arbeit in CODA liegt bei den tänzerischen Interaktionsmöglichkeiten mit Licht und Video. Konsequenterweise ist diese Musik, klassisch eingesetzt, zunächst zeitlicher Strukturgeber, zu dem getanzt wird.

Johann Sebastian Bachs Musik – und da insbesondere die Tanz-Cello-Suiten – sind in sich schon ein Werk der Variation über zu ihrer damaligen Zeit „alte“ Tänze. Bach nutzt die Möglichkeit des Über-den-praktischen-Zweck-Hinausgehens zu Erweiterungen, Variationen und kontrapunktischen Reflexionen über damals noch bekannte Tanzformen. Diesen Ansatz aufgreifend und mit heutigen inszenatorischen wie musikalischen Mitteln fortführend, entstand zu den sechs Cello-Sätzen von Bach mittels Tanz und komponiertem Licht eine visuelle Musik in der Struktur der Bachschen Musik.

Die barocke Musikvorlage inspirierte zu Bezugnahmen auf die geometrischen Tanzformen des Barock ebenso wie auf Ornamentik im Licht, die wiederum auf moderne Weise den tanzenden Körper als bewegte Bildfläche nutzt. So entstand ein sehr sinnliches, Historie überbrückendes Gesamtkunstwerk aus Tanz zu Bachscher Cello-Musik – in einer sehr modernen bewegten Lichtumsetzung auf der Grundlage barocker Tanzformen wie Allemande, Sarabande oder Gigue.

Im zweiten Teil des Programms wurden die sechs Tanzsätze der Cello-Suite wiederholt. In der Wiederholung sind die Tänzerinnen aber durch ihre Bewegungen gleichzeitig auch Musikerinnen einer elektronischen Musik, die die Bachsche Musik als musikalisches Material nutzt, welches durch Bewegungsdynamik elek-tronisch erspielt wird. Die daraus resultierende mediale Musik steuerte direkt auch die interaktiven Videobespielungen der Theater-Szenografie, welche wiederum barocke szenische Ansätze zitierte.

Sprecher: Clemente Fernandez

Editing: Fabian Bentrup

Re-Editing + Mischung: J.U.Lensing