Station: [14] Jüdische Ritualien
Michi: Das hier, das sind wohl die traurigsten und geheimnisvollsten Objekte im Museum.
Geheimnisvoll sind sie deshalb, weil niemand so genau weiß, woher die Sachen stammen, wem sie einmal gehört haben und wie sie im Museum gelandet sind.
Traurig sind die Sachen deshalb, weil sie mit einer dunklen Zeit zu tun haben. Und zwar mit der Zeit, als in Deutschland die Nationalsozialisten das Sagen hatten. Damals passierten viele fürchterliche Dinge.
Die Nazis begannen zum Beispiel damit, alle, die nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passten, auszugrenzen, zu verfolgen, einzusperren und ihnen Gewalt anzutun. Sehr viele verloren dabei ihr Leben. Dazu gehörten vor allem Menschen, die dem jüdischen Glauben angehörten oder jüdischer Herkunft waren.
Oft wurde den Menschen auch ihr Besitz weggenommen, meist mit brutalen Methoden. So könnte es auch bei den Dingen hier in der Vitrine gewesen sein. Aber, das weiß man eben nicht, weil es nicht dokumentiert wurde und wir niemanden mehr fragen können.
Man weiß auch nicht, warum die Sachen so beschädigt sind. Vielleicht ist es während des Zweiten Weltkriegs passiert.
Die Sachen könnten aber auch bei einem Brand zerstört worden sein. In Bruchsal gab es früher einmal eine prächtige Synagoge, wo die jüdische Gemeinde ihre Gottesdienste feierte. Sie wurde von den Nazis angezündet und brannte vollkommen ab.
Etwas weiß man aber dann doch: Diese Dinge benutzte man am Sabbat. Der Sabbat ist im Judentum ein Ruhetag. Er dauert von Freitagabend bis Samstagabend. Der Sabbat beginnt immer mit einer besonderen Zeremonie. Unter anderem wird dabei eine Lampe angezündet, deren Einzelteile hier zu sehen sind.
Foto: © Manfred Schneider