Station: [8] Scheibenfibel
F: Wir wissen weder wie sie aussah, noch wie sie hieß. Ihr Schmuck verrät uns aber: Sie muss zu einer gehobeneren Gesellschaftsschicht gehört haben.
M: 1972 werden in Oberöwisheim menschliche Überreste und verschiedene Schmuckstücke entdeckt. Darunter diese kunstvoll gearbeitete Scheibenfibel, die Sie hier in der Vitrine sehen. Was da bei Bauarbeiten zu Tage kam, war das Grab einer Frau der Merowingerzeit. Gestorben vermutlich um das Jahr 650 nach Christus.
F: Die Merowinger waren ein fränkisches Herrschergeschlecht. Nachdem das Weströmische Reich untergegangen war, gelang es den Merowingern das entstandene Machtvakuum zu füllen. Im 6. Jahrhundert nach Christus schaffte es Chlodwig I., die Teilfürstentümer zu unterwerfen und die fränkischen Herrschaftsgebiete zu vereinen. Damit begründete er das mächtige und große Frankenreich. Rund 400 Jahre sollte die Herrschaft der Merowinger andauern.
M: Die Scheibenfibel gehörte zu den beliebtesten Gewandspangen der Merowingerzeit. Fibeln hatten zum einen eine ganz praktische Aufgabe zu erfüllen: Sie sollten Gewänder und Mäntel verschließen. Das Gewicht der Fibel sowie der Zwischenraum zwischen Nadel und Bügel verraten etwas über die Beschaffenheit des Stoffes, an dem die Fibel angebracht wurde.
F: Daneben waren Fibeln aber auch eine Art Modeartikel. Und die Mode unterlag, ähnlich wie heute, einem schnellen Wandel. Genau deshalb sind Fibeln auch für die Forschung so interessant, da sie Aufschluss über einzelne Kulturperioden geben.
M: Darüber, wie die Fibeln hergestellt wurden, weiß man nur wenig. Wurde mit ihnen gehandelt? Oder zogen die Goldschmiede umher und fertigten die Fibeln auf Wunsch? Man weiß nur: Je kunstvoller und aufwendiger die Schauseite gearbeitet war, desto höher war der soziale Rang des Trägers oder der Trägerin.
Foto: © Martin Heintzen