Station: [7] Römischer Tisch
F: Dieser mächtige Steintisch stand einst in einer villa rustica. Entdeckt wurde er bei einer Ausgrabung im Jahr 1911 in Obergrombach, heute ein Stadtteil von Bruchsal.
M: Unter einer villa rustica versteht man einen römischen Gutshof, einen landwirtschaftlichen Betrieb. Dieser hatte die Aufgabe, die umliegenden Militärstützpunkte und Städte mit Lebensmitteln zu versorgen. So wie etwa den nahegelegenen vicus Stettfeld. Um die Waren schnell transportieren zu können, lagen die Gutshöfe in der Regel an großen Straßen oder Kreuzungen. Das war auch in Obergrombach der Fall.
F: Der römische Gutshof bestand vermutlich von 120 bis 260 nach Christus. Beim Einfall der Alemannen wurden die Gebäude zerstört. Dass das Ende der villa rustica gewaltsam gewesen sein muss, belegt die oberste Fundschicht mit Brandschutt.
M: Bei späteren Ausgrabungen konnte neben dem Herrenhaus ein Küchenbau, ein Lager, ein Brennofen sowie ein Stallgebäude freigelegt werden. Zudem wurden Reste einer Fußbodenheizung gefunden. Auch wenn die villa rustica ein landwirtschaftlicher Betrieb war, so lebte man doch durchaus gehoben und komfortabel.
F: Schauen wir uns diesen Tisch etwas genauer an: Der profilierte Säulenfuß war noch vollständig erhalten, während die Tischplatte in mehrere Einzelteile zersprungen war. Beide sind aus feinem, weißem Sandstein gearbeitet. Zusammen sind sie 114 Zentimeter hoch. An der Unterseite des Tischfußes befindet sich ein Dübelloch. Das legt die Vermutung nahe, dass der Tisch in irgendeiner Weise mit dem Boden verzapft war.
M: Bislang entdeckte man diese massiven Tische fast ausschließlich im Keller römischer Wohngebäude. Was die Römer damit wohl anstellten? Es wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben.
Foto: © Manfred Schneider