Station: [17] Hausnischen_Madonna
F: Es ist der 1. März 1945. Von einem Militär-Stützpunkt in England startet ein Geschwader der US-amerikanischen Luftwaffe. Es fliegt zunächst zu einem Sammelplatz über der Stadt Northampton, dann weiter über den Ärmelkanal. Schließlich nehmen die Flugzeuge Kurs Richtung Bruchsal.
M: Der Luftangriff beginnt um 13.53 Uhr. Rund 900 Sprengbomben werden über der Stadt abgeworfen, dann folgen über 49.000 Brandbomben. Nach 42 Minuten ist alles vorbei. 1.000 Menschen kommen bei dem Angriff ums Leben. Bruchsal selbst wird zu 90 Prozent zerstört.
F: Auch das Gasthaus „Zum Rappen“ an der Kaiserstraße hat es schwer getroffen. Nur ein Teil der Hausfassade ist stehen geblieben. Aber wie durch ein Wunder ist es genau jener Teil mit der kleinen Nische, in der, weitgehend unbeschadet, die Madonna mit dem Jesus-Kind steht.
M: Günther Lache entdeckt die Heiligenfigur und will sie im Februar 1946 retten. Er ist Kunsterzieher und Restaurator. Bevor das Haus endgültig abgerissen wird, will er die Madonna herunterholen und sichern. Natürlich mit Erlaubnis der damaligen Besitzerin, einer Brauerei.
F: Anders als erwartet, besteht die Madonna nicht aus Stein, sondern aus Holz, vermutlich aus Kirschholz. Ursprünglich war die Figur von einer dicken Schicht Ölfarbe bedeckt, die das Holz vermutlich witterungsbeständig machen sollte.
M: Der rechte Arm des Jesu-Kindes war beim Luftangriff beschädigt worden und musste entfernt werden. Die rechte Hand der Madonna wurde ebenso getroffen, die linke Hand fehlt komplett. Die Figur wurde vermutlich um das Jahr 1700 gefertigt, was sich auch in der barocken Gestaltung zeigt.
F: Das Gasthaus „Zum Rappen“ wurde übrigens noch an anderer Stelle verewigt: Und zwar im Lied über den trinkfreudigen „Grafen vom Kraichgauland“. Sie erinnern sich: Jenem Herrn war auch der Inflationsschein von 1923 gewidmet. Das Karnevalslied kennen die meisten aber wohl nur unter dem Namen „Brusler Dorscht“. Dort heißt es:
Foto: © Martin Heintzen