Station: [16] Inflationsscheine
Dialekt Was würden Sie machen, wenn sie 50 Millionen Mark hätten?
F: Die Menschen des Jahres 1923 würden sich davon vielleicht einen Laib Brot kaufen. Wenn das Geld dafür denn reicht! Im Mai 1923 kostete ein Laib Brot bereits stolze 1.200 Reichsmark. Im Oktober zahlte man dafür unfassbare 670 Millionen.
M: 1923 herrschte in Deutschland eine Hyperinflation. Sie war eine Folge des Ersten Weltkriegs. Der vier Jahre andauernde Krieg hatte Unmengen an Geld verschlungen. Geld, das das Deutsche Kaiserreich nicht hatte. Bereits während des Krieges ließ die Regierung immer mehr Geld nachdrucken, zum einen um die Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten, zum anderen um die eigenen Schulden zu begleichen. Denn um den Krieg finanzieren zu können, hatte sich das deutsche Kaiserreich Millionen Reichsmark von seinen Bürgerinnern und Bürgern vorstrecken lassen, in Form sogenannter Kriegsanleihen.
F: Ein Teufelskreis setzte sich in Gang: Je mehr Geld in Umlauf kam, desto weniger wurde es wert. Was unter anderem auch daran lag, dass es kaum noch etwas gab, was man mit dem Geld hätte kaufen können. Lebensmittel und andere Güter waren Mangelware. 1923 nahm die Inflation schließlich unvorstellbare Ausmaße an. Wer morgens seinen Lohn abgeholt hatte, konnte sich mittags meist schon nichts mehr davon kaufen.
M: Die Folgen waren dramatisch: Die Menschen verarmten und litten Hunger. Vor allem in den Städten war das Elend groß. Wer konnte, fuhr aufs Land und versuchte dort Schmuck, Pelzmäntel und andere wertvolle Dinge gegen Lebensmittel zu tauschen. Währenddessen liefen die Druckmaschinen weiter. Die höchsten jemals ausgegebenen Geldscheine waren 100 Billionen Mark wert. Das ist eine Eins und dahinter 14 Nullen.
F: Städte und Gemeinden bekamen vom Reichsfinanzministerium die Erlaubnis, Notgeld drucken zu dürfen. Das hat auch die Stadt Bruchsal getan. Unter anderem gab sie diesen 50-Millionen-Markschein heraus. Auf der Vorderseite ist das Männerzuchthaus Bruchsal abgebildet sowie eine Kutsche mit Gefangenen, die auf das Tor zusteuert. Auf dem umlaufenden Spruchband ist zu lesen: „Um mich herum geht jeder fein. Wer Scheine fälscht, der fährt hinein“.
M: Auf der Rückseite wird Bezug genommen zur heimlichen „Nationalhymne“ der Bruchsaler – dem Brusler Dorscht. Darin wird das Leben des Grafen vom Kraichgauland besungen, der zwar gerne trank, aber ungern die Zeche zahlte. So kann man auf dem Inflationsschein lesen:
Dialekt: „Mir sinn des Grafe Erbe,
verarmt durch seinen Dorscht.
Statt Münze dun mer drucke
Die Zahlart isch uns worscht.“
Fotos: © Städtisches Museum Bruchsal