Vortrag von Verena Meier, Universität Heidelberg Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges bildeten KZ-Häftlinge mit dem schwarzen Winkel (sogenannte „Asoziale“) die größte Häftlingsgruppe in den Konzentrationslagern. Mit dem Erlass zur „vorbeugenden Verbrechensbekämpfung“ vom 14. Dezember 1937 ermächtigte der Reichsinnenminister Wilhelm Frick die Kriminalpolizei, KZ-Einweisungen vorzunehmen. 1938 folgten größere Verhaftungswellen durch die Gestapo und Kripo im gesamten Deutschen Reich. Unter den Verfolgten waren zahlreiche männliche Sinti und Roma. Nach dem Ende des Kriegs hatten sie Schwierigkeiten eine Anerkennung als Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung zu erlangen, da beide deutschen Staaten u.a. weiter argumentierten, dass es sich um „präventive Kriminalitätsbekämpfung“ gehandelt habe und antiziganistische Vorurteile weiter tradiert wurden. Der Vortrag von Verena Meier (Uni Heidelberg) beleuchtet das Handeln der verantwortlichen Täter*innen der Kriminalpolizei in Magdeburg und richtet den Fokus auf die Deportation männlicher Sinti und Roma aus dem Raum Magdeburg im Zuge der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ im Juni 1938 in die Konzentrationslager Buchenwald und Sachsenhausen. Einige von ihnen wurden im September 1941 vom KZ Sachsenhausen in das KZ Niederhagen verlegt. Der biografische Fokus des Vortrags wird auf diesen Häftlingen liegen. Ein genaues Bild über die Deportationspraxis und die arbeitsteilige Täterschaft im Zuge dieser KZ-Einweisungen sowie die Handlungsspielräume der Verfolgten und Formen des Widerstandes geben die Gefangenenbücher des Polizeigefängnisses sowie die kriminalpolizeilichen Personalakten. Diese Überlieferungen bilden den Ausgangspunkt des quellenbasierten Vortrags. In Kooperation mit der Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne. Im Burgsaal der Wewelsburg. Der Eintritt ist frei!   Verena Meier studierte Geschichte, Anglistik, Europäische Kunstgeschichte und Philosophie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Hebrew University Jerusalem. In verschiedenen Funktionen war sie tätig für das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, die Gedenkstätte Grafeneck, das Jerusalemer Dokumentationszentrum Juden in Nordafrika während des Zweiten Weltkriegs, Stiftung Topografie des Terrors, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und im Landesarchiv Sachsen-Anhalt. Seit 2018 ist sie Doktorandin an der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg (Arbeitstitel des Dissertationsprojektes: „Kriminalpolizei und Völkermord. Die nationalsozialistische Verfolgung von Sinti*zze und Rom*nja in Magdeburg und die Aufarbeitung dessen unter den Alliierten sowie in der DDR“). Ihre Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Minderheitengeschichte, Ideengeschichte, Tätergeschichte und der historischen Antisemitismus- und Antiziganismusforschung.
24. Nov 2022 - 19:00
Burgwall 19
Büren-Wewelsburg
33142
Germany

Current event for "Kreismuseum Wewelsburg"

Magdeburg – Sachsenhausen – Niederhagen/Wewelsburg. Wege verfolgter Sinti und Roma im KZ-System nach der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ 1938

24. Nov 2022 - 19:00 – 24. Nov 2022 - 21:00
Kreismuseum Wewelsburg

Vortrag von Verena Meier, Universität Heidelberg

Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges bildeten KZ-Häftlinge mit dem schwarzen Winkel (sogenannte „Asoziale“) die größte Häftlingsgruppe in den Konzentrationslagern. Mit dem Erlass zur „vorbeugenden Verbrechensbekämpfung“ vom 14. Dezember 1937 ermächtigte der Reichsinnenminister Wilhelm Frick die Kriminalpolizei, KZ-Einweisungen vorzunehmen. 1938 folgten größere Verhaftungswellen durch die Gestapo und Kripo im gesamten Deutschen Reich. Unter den Verfolgten waren zahlreiche männliche Sinti und Roma. Nach dem Ende des Kriegs hatten sie Schwierigkeiten eine Anerkennung als Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung zu erlangen, da beide deutschen Staaten u.a. weiter argumentierten, dass es sich um „präventive Kriminalitätsbekämpfung“ gehandelt habe und antiziganistische Vorurteile weiter tradiert wurden.

Der Vortrag von Verena Meier (Uni Heidelberg) beleuchtet das Handeln der verantwortlichen Täter*innen der Kriminalpolizei in Magdeburg und richtet den Fokus auf die Deportation männlicher Sinti und Roma aus dem Raum Magdeburg im Zuge der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ im Juni 1938 in die Konzentrationslager Buchenwald und Sachsenhausen. Einige von ihnen wurden im September 1941 vom KZ Sachsenhausen in das KZ Niederhagen verlegt. Der biografische Fokus des Vortrags wird auf diesen Häftlingen liegen. Ein genaues Bild über die Deportationspraxis und die arbeitsteilige Täterschaft im Zuge dieser KZ-Einweisungen sowie die Handlungsspielräume der Verfolgten und Formen des Widerstandes geben die Gefangenenbücher des Polizeigefängnisses sowie die kriminalpolizeilichen Personalakten. Diese Überlieferungen bilden den Ausgangspunkt des quellenbasierten Vortrags.

In Kooperation mit der Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne.

Im Burgsaal der Wewelsburg.
Der Eintritt ist frei!

 

Verena Meier studierte Geschichte, Anglistik, Europäische Kunstgeschichte und Philosophie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Hebrew University Jerusalem. In verschiedenen Funktionen war sie tätig für das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, die Gedenkstätte Grafeneck, das Jerusalemer Dokumentationszentrum Juden in Nordafrika während des Zweiten Weltkriegs, Stiftung Topografie des Terrors, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und im Landesarchiv Sachsen-Anhalt. Seit 2018 ist sie Doktorandin an der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg (Arbeitstitel des Dissertationsprojektes: „Kriminalpolizei und Völkermord. Die nationalsozialistische Verfolgung von Sinti*zze und Rom*nja in Magdeburg und die Aufarbeitung dessen unter den Alliierten sowie in der DDR“). Ihre Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Minderheitengeschichte, Ideengeschichte, Tätergeschichte und der historischen Antisemitismus- und Antiziganismusforschung.

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